Auszeichnung für die digitale Führung durch den jüdischen Ortskern Fellheims

Die Schülergruppe des Illertal-Gymnasiums Vöhringen wurde beim bayerischen Landeswettbewerb „Erinnerungszeichen“ mit einem mit 500 Euro dotierten Sonderpreis ausgezeichnet. Das Motto des diesjährigen Wettbewerbs lautete „Auf den Spuren jüdischen Lebens in Bayern“. Über 700 Schüler aus ganz Bayern hatten sich an dem Wettbewerb beteiligt. Die Preisverleihung fand im Bayerischen Landtag in Anwesenheit des bayerischen Kultusministers Prof. Dr. Michael Piazolo, des Vizepräsidenten des bayerischen Landtages Karl Freller, des bayerischen Antisemitismusbeauftragten Dr. Ludwig Spaenle und zahlreicher weiterer Ehrengäste statt. Insgesamt wurden 21 Preise vergeben. 

Die Schülergruppe aus Vöhringen unter der Leitung von OStR Christoph Fischer hatte in Zusammenarbeit mit dem Förderkreis Synagoge Fellheim e.V., der Gemeinde Fellheim und weiteren Partnern eine digitale Führung durch den jüdischen Ortskern Fellheims erarbeitet, die u.a. einen 360-Grad-Bick ins Innere der Ehemaligen Synagoge ermöglicht. Die digitale Führung kann vor Ort oder über unsere Homepage mit einem Smartphone, ipad oder Laptop gestartet werden und dauert etwa 30 Minuten. 

Der Förderkreis beglückwünscht die Schüler und Herrn Fischer zu der Auszeichnung und freut sich mit ihnen über diesen Preis.

v.l.n.r. OStR Christoph Fischer, Jonas Biener (Abiturient des Illertal-Gymnasiums), Carl Hans Engleitner (Bayerische Volksstiftung), Jakob Tyrychter (Abiturient des Illertal-Gymnasiums), StRin Dr. Elke Hörner (Illertal-Gymnasium), Landtagsvizepräsident Karl Freller, Bildquelle: Bayerisches Kultusministerium München

Wenn sechs Menschen einfach große Lust haben, miteinander zu musizieren…

…dann entsteht ein großartiger und unvergesslicher Konzertabend für die Zuhörer. Genau das erlebten die rund 100 Besucher in der vollbesetzten Ehemaligen Synagoge am 21. Mai 2022 beim Konzert der Oberstdorfer Blues-, Folk- und Country-Gruppe „Hoalitte 6“. Die aus vier Gitarristen, einem Kontrabassisten und einem Percussionisten bestehende Band wird geleitet vom Oberstdorfer Bauunternehmer Josef Geiger, der vor allem den Part des  Frontsängers übernahm. Bei einigen Songs kamen zusätzlich ein Banjo und eine Steelguitar zum Einsatz.

Neben eigenen Liedern bedienten sich die Musiker auch Melodien von bekannten Stars aus der Rockszene, wie etwa Bob Dylan oder Rio Reiser. Die Band habe kein Problem damit, so die humorige Erklärung von Geiger dazu, auch die Berliner Philharmoniker spielten schließlich keine eigenen Stücke, sondern „nur“ die Werke bekannter Komponisten wie Mozart oder Beethoven nach.

Zu den Liedern hat die Band eigene Texte in ihrer heimischen Mundart verfasst. Auch wenn trotz Erklärungen und „Übersetzungshilfen fürs Unterland“ nicht jedes Wort verstanden werden konnte, tat das der guten Stimmung keinen Abbruch. Im Mittelpunkt der Texte stehen oftmals „die kleinen Leute“, wie zum Beispiel ein Schaffner der Nebelhornbahn, dem seine scheinbar eintönige Tätigkeit überhaupt nichts ausmacht. Er findet vielmehr gerade darin seine Freiheit, weil er in seiner Kabine sein eigener Herr ist und die Fahrgäste genau studieren kann. Das musikalische Repertoire reicht von eher ruhigen und leicht melancholischen Balladen bis hin zu Folk-, Country- und Bluessongs, hervorragend vorgetragen von den exzellent harmonierenden Musikern und den vier vor Spielfreude nur so sprühenden Gitarristen.

Die Zuschauer, unter ihnen der bekannte Kabarettist Maxi Schafroth, der es sich nicht nehmen ließ, „seinem Gitarristen“ Markus Schalk live in Fellheim zuzuhören, feierten die Musiker immer wieder mit lautstarken Ovationen und entließen die Musiker erst nach über drei Stunden in die laue Frühsommernacht. Das erste Blues- und Folkkonzert in der Ehemaligen Synagoge, das auf Initiative von Hans-Joachim und Willi Weirather zustande kam, war ein grandioser Erfolg und macht große Lust auf mehr.

Hoalitte 6 während ihres Konzerts in der Ehemaligen Synagoge Fellheim
v.l.n.r.: Tim Hecking, Stefan Heinze, Josef Geiger, Markus Schalk, Florian Fischer, Jordan Prince (Foto: Förderkreis Synagoge Fellheim)

Feierliche Übergabe der Web-App an den Förderkreis

Eine Schülergruppe des Illertal-Gymnasiums Vöhringen hat in zweijähriger Arbeit eine digitale Führung durch den ehemaligen jüdischen Ortskern Fellheims erstellt, die nun mit einem Smartphone, Tablet oder PC genutzt werden kann. Die App kann vor Ort an ausgewählten Stelen oder über die Homepage des Förderkreises mittels eines QR-Codes oder über den Link juedischesfellheim.orpheo.app aufgerufen werden. Nutzer der App können so u. a. mit einer 360°-Ansicht das Innere der Synagoge erkunden, ohne selbst im Gebäude zu sein. Die Audio-Texte, die in der App zu hören sind, wurden von den Schülern selbst verfasst und eingesprochen. In einer Feierstunde in der Ehemaligen Synagoge Fellheim stellten die Schüler unter der Leitung von Herrn Christoph Fischer vom Illertal-Gymnasium Vöhringen die App vor. Reinhard Schaupp, 1. Bürgermeister der Gemeinde Fellheim, lobte den Beitrag der Schüler als weiteren wichtigen Baustein für die Geschichtsarbeit in Fellheim. Ellen Neuschel und Christian Herrmann vom Förderkreis wollen diese gewinnbringende Zusammenarbeit mit den Schulen weiter fortsetzen. Schüler können sich so durch praktische Arbeit selbst einen Zugang zur jüdischen Geschichte erarbeiten und damit eine eigene Erinnerungskultur aufbauen, was angesichts der nicht mehr vorhandenen Zeitzeugen enorm wichtig ist. Der Antisemitismusbeauftragte der bayerischen Staatsregierung Dr. Ludwig Spaenle zeigte sich beeindruckt von dem Projekt und der Geschichtsarbeit in Fellheim und betonte, dass es notwendig ist, gerade in Zeiten zunehmenden Judenhasses mit fundierten und bewegenden Informationen zur Geschichte gezielt geschürten Vorurteilen und Klischees gegen bestimmte Menschen oder Gruppen entgegenzutreten. Dass sich junge Menschen hier in so herausragender Weise engagierten, mache Mut für die Zukunft. Höhepunkt der Veranstaltung war ein Gastbeitrag der Brüder Steve und Alan Frankel, die per Videokonferenz online aus den USA teilnahmen. Die Brüder sind die Urenkel von Berta und Isaak Einstein, die 1942 von Fellheim aus nach Theresienstadt deportiert und dort ermordet wurden. Ihre bewegenden Abschiedsbriefe, die sie kurz vor ihrer Deportation an ihre Kinder geschrieben haben, sind ebenfalls in der App zu hören. Die Frankels bedankten sich für das Engagement der Schüler und betonten, wie wichtig diese Erinnerungsarbeit für ihre Familie sei. Wahrer Patriotismus zeige sich aus ihrer Sicht vor allem darin, dass man sich seiner eigenen Vergangenheit aufrichtig stelle und zu ihr bekenne. In einem Folgeseminar soll die App noch weiterentwickelt werden. Daran wollen auch die beiden Frankel-Brüder mitarbeiten. Musikalisch einfühlsam umrahmt wurde die Veranstaltung vom Münchner Klezmer-Trio, das mit den virtuos vorgetragenen Klezmer-Melodien den Zuhörern das einzigartige Flair der Synagoge als Konzertraum näherbrachte.

Die Schülerinnen und Schüler des P-Seminars mit dem Leiter OStR Christoph Fischer © Armin Schmid
Reinhard Schaupp (1. Bürgermeister der Gemeinde Fellheim , Christian Herrmann, Ellen Neuschel (Förderkreis Synagoge Fellheim), Dr. Ludwig Spaenle (Bayerischer Antisemitismusbeauftragter), Alex Eder (Landrat des Kreises Unterallgäu), Josef Miller (Staatsminister a. D.) © Förderkreis Synagoge Fellheim
Das Münchner Klezmer-Trio, im Hintergrund Steve und Alan Frankel © Förderkreis Synagoge Fellheim